Meine Küchenkräuter im Sommer 2015
Die Lieblinge: Anisaromen und Gewürzkräuter der Andenküche
Was schnell auffällt: Ich habe mit den üblichen mediterranen Verdächtigen nicht viel am Hut. Zwar verwende ich Rosmarin in rauen Mengen, aber das geschenkte Oreganopflänzchen erhält hier eher Gnadenbrot, Thymian ziehe ich nur aufgrund seiner wunderschönen Blüten, Zitronenthymian darf manchmal eine Kräuterbutter verfeinern, Majoran findet hier praktisch nicht statt und wenn, dann kaufe ich ihn bei meinem Gewürzhändler in getrockneter Bioqualität aus Mecklenburg-Vorpommern. Ich habe hingegen einen manifestierten Hang zu Anisaromen und Gewürzen der mexikanischen und peruanischen Küche, die ich justament für die spannendste der Welt halte. Interessant finde ich selbst, wie sehr ich mich jahrelang gegen Chilipflanzen gewehrt habe, beweisende Statements von mir finden sich in den Tiefen dieses Blogs. Wahrscheinlich hat Frau Bushcook mit ihrem Geschenk eines Nymphenburger Knubbels vor einigen Jahren sanft aber bestimmt die Tür zur Chili-Liebe geöffnet. Leider ist mir mein aktueller Knubbel im Winter eingegangen, für die Bestellung eines neuen war ich in diesem Frühjahr zu spät. Auch der Ecuador-Chili hat den Winter nicht überlebt, dafür erfreue ich mich gegenwärtig an Jalapeño, Habanero und ungarischem Paprika.
Eine große Liebe habe ich zu den Tageten entwickelt, leider besitze ich erst zwei: Die Lakritztagetes und Yauhtli, eine Gewürztagetes, die von den Azteken als Heilkraut verehrt wurde. Dringend fehlt mir noch Tagetes Minuta, fester Bestandteil der peruanischen Küche. Sie ist dort unter dem Namen Huacatay bekannt und besitzt ein ausgeprägtes zitroniges Aroma. Bei der Pachamanca, dem traditionellen Festessen der Andenbewohner, bei welchem Fleisch, Kartoffeln und weitere Gemüsesorten in einem mit heißen Steinen erhitzten, mit Erde und Wolldecken zugedeckten Erdloch gekocht werden, ist sie das Hauptgewürz.
Die folgenden Bilder sind von Mai bis Juni 2015 entstanden, während mir der Anisysop fast über den Kopf wächst und der vietnamesische Koriander wuchert als gäbe es kein Morgen mehr, sind einige Kräuter noch frisch gepflanzt und entsprechend klein.
Ich gebe Dir einen Überblick über mittlerweile mehr als 45 verschiedene Heil- und Gewürzpflanzen, die ich hege und pflege, wobei ich die verschiedenen Minzarten im Garten nicht fotografiert habe und auch nicht den Salbei, der dort wuchert. Die ein oder andere Pflanze hat sich bereits in hier veröffentlichten Gerichten wiedergefunden (ein paar Rezepte zeige ich Dir weiter unten) und wer diese Seite verfolgt, weiß um meine Liebe zur ausgefallenen Gewürz- und Kräuterküche. Genau dort wird in der nächsten Zeit einer meiner Schwerpunkte liegen und damit werde ich auch verschiedene Kräuter noch genauer vorstellen. Und wie sich der rheinhessische Salonlöwe immer mal wieder hier hineingemogelt hat - ehrlich, ich habe keine Ahnung! :)
Allium - in der Riesenversion. Wuchshöhe über 2 Meter.
Curiosity killed the cat...
Oxalis (Sauerklee), der den Winter ausgezeichnet überstanden hat und besser austreibt als je zuvor, kurz vor der Blüte
In der Blüte einer meiner Lieblinge: Kleiner Wiesenknopf
Jalapeño mit Mitbewohner
Erdbeere - noch grün
"Katzen sind wie ein Geheimnis im Nebel. In ihrem Geist geht mehr vor, als wir merken." (Sir Walter Scott)
Zitronenthymian in voller Blüte
Thaibasilikum
Die Blüte des Blutampfers. Es macht natürlich keinen Sinn, ihn blühen zu lassen, da das die Pflanze viel Kraft kostet und zulasten des Blattwuchses geht. Aber eine wollte ich gerne zeigen...
Blüte des Anisysop mit ihrem betörendem Duft, der Bienen und Hummeln begeistert
"Aus der Distanz ist eine Katze schön, nah besehen ist sie ein Gegenstand unerschöpflicher Wunder: Was immer sie tut, ist Perfektion"
(Pam Brown)
Summender Besuch am Anisysop
Im Schutz der Oleander gedeihen alle Kräuter prächtig! Basilikum (aus dem Supermarkt gerettet), Erdbeerminze in der alten Milchkanne, Thaibasilikum, Kleiner Wiesenknopf (auch bekannt als Pimpernelle)
Die Seele ist wie der Wind, der über die Kräuter weht, wie der Tau, der über die Wiesen sich legt, wie die Regenluft, die wachsen macht. Desgleichen ströme der Mensch ein Wohlwollen aus auf alle, die da Sehnsucht tragen.
Ein Wind sei er, der den Elenden hilft, ein Tau, der die Verlassenen tröstet. Er sei wie die Regenluft, die die Ermatteten aufrichtet und sie mit Liebe erfüllt wie Hungernde. (Hildegard von Bingen)
Links: Kaktus von der Nachbarin. Rechts: unbekannt, aber ich gieße es trotzdem. In der Mitte: Anisysop
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten (Tagore)
Blick auf die Rubinette im Kübel, davor von links nach rechts: Lorbeer, französischer Estragon, Rosmarin
Die Bienen waren fleißig! Das werden Äpfel von der Rubinette
Meeresfenchel, der ein bisschen aussieht, wie aus einem Korallenriff gewachsen, oder?
Yauhtli, ein aztekisches Würz- und Heilkraut, das auch zu den Tageten zählt. Mit einem süßen Aroma, das an Waldmeister und Anis (sic!) erinnert. "Da das Kraut den Azteken sehr heilig war, wurde bei religiösen Riten das pulverisierte Kraut den Opfern ins Gesicht geblasen, bevor sie bei lebendigem Leib verbrannten." (Info: Katalog Rühlemanns Kräuter und Duftpflanzen)
Untere Reihe: Kümmerliches rotes Basilikum, Versuch einer Rettung aus dem Supermarkt. Lakritztagetes, Vietnamesische Melisse (auf dem Topf steht Minze, das ist ein Fehler)
Die zweite Pflanze untern links in der Ecke: Zimmerknoblauch, der bei mir Terrassenknoblauch sein darf und immer verwendet wird, wenn der "Bums" vom Schnittlauch nicht reicht und eine Knoblauchknolle zuviel wäre.
Das Bild stammt noch aus dem Mai, mittlerweile ist der Jiaogulan (sprich: "Dschiaugulan") prächtig gewachsen, obwohl ich ihm jeden Morgen ein paar Blätter für den Smoothie mopse. Die frühesten Aufzeichnungen aus China datieren um das Jahr 1400 n. Christus. Ein Aufguß aus den süß-herb schmeckenden Blättern wird seit Jahrhunderten in den bergigen Regionen Südchinas verwendet als ein belebender, verjüngender, täglich getrunkener Tee. Der in dieser Gegend übliche Name „Xiancao“ heißt soviel wie „Kraut der Unsterblichkeit“, und die Leute dort sagen: „Es wirkt wie Ginseng, aber besser als Ginseng!“
In der Provinz Guizhou wird der überdurchschnittliche Anteil an über 100-jährigen auf den dort verbreiteten, regelmäßigen Genuss von Jiaogulan-Tee zurückgeführt. In Japan heißt die Pflanze „Amachazuru“, das heißt soviel wie „süße Tee-Ranke“, und ist auch dort als Tee- und Gemüsepflanze bekannt. Dort wurden erst 1976 - eigentlich rein zufällig - bei der wissenschaftlichen Untersuchung als Kandidat für ein neues kalorienarmes Süßungsmittel in Jiaogulan die gleichen Substanzen entdeckt, für die Ginseng berühmt geworden ist: Die Ginsenoside.
Links im großen Steinguttopf: Basilikum "Wildes Purpur"
Davor: Jamaicathymian und Epazote.
Jamaicathymian ist eines der wichtigsten Gewürze in der Jamaicaküche. Leider ist er nicht winterhart - ganz im Gegenteil sollte er keinen Temperaturen unter 12° C ausgesetzt werden und empfiehlt sich in Europa nur als Zimmerpflanze. Wir werden also sehen...
Epazote stammt aus der mexikanische Küche, dort gilt sie als Hauptgewürz mit ihrem herb-zitronigem Duft und Aroma. Bohnen und anderen Hülsenfrüchten soll sie ein einmaliges Aroma verleihen, zudem die Verdauung fördern. Ich bin schon bannig gespannt auf meine ersten kulinarischen Gehversuche mit Epazote!
Von oben nach unten, von links nach rechts:
Shisokresse, Ysop, Oxalis, Habanero und Jalapeño. Thymian, Koriander, Petersilie, Griechischer Bergtee, Schnittlauch. Die drei kleinen Pflänzchen im Vordergrund: Ungarischer Paprika noch in der Kinderstube.
Zitronenthymian, Koriander (ich brauche immer mindestens 2 - 3 Pflanzen), Vietnamesischer Koriander. Stark wuchernd, sehr wasserhungrig. Sanftes süßliches Korianderaroma, gleichzeitig pfeffrig. Starke Ähnlichkeit mit dem gemeinen Wiesenknöterich. Bitte sparsam verwenden, er ist sehr intensiv!
Die Basilikumarten "Rotes Lesbos" und "Zypriotisches Strauchbasilikum". Beide sind neu und ich bin ganz gespannt, wie sie sich entwickeln werden. Derzeit habe ich 6 verschiedene Basilikumsorten gepflanzt.
Erdbeerminze in der alten Milchkanne
"Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: Durchs Leben zu gehen ohne Lärm zu machen."
Ernest Hemingway
Genieße Deinen Tag!
Serviceteil
Frau Bushcook, die Schenkerin des Nymphenburger Knubbels, findest Du hier.
Meine Kräuter kaufe ich seit Jahren bei:
Stein's Kräuter & Garten
Mainzer Straße 180
55124 Mainz-Gonsenheim
Rühlemann's Kräuter und Duftpflanzen
Auf dem Berg 2
27367 Horstedt
Gekocht mit Lakritztagetes:
Cappelletti mit frischem Lachs und Lakritztagetes in Noilly Prat-Tomaten-Sauce |
Gekocht mit Anis-Ysop
Gekocht mit Oxalis
Spargelcrèmesuppe mit Kerbel und Blüten von Oxalis (Sauerklee) |
Wunderschön hast Du es in Deinem Garten. Die Bilder haben mir gerade einen schönen Start in meinen Tag beschert. :-)
AntwortenLöschenSchokoladige Grüße,
Nele
Toller Post und ein beeindruckender Kräutergarten. Bin sehr gespannt darauf wie du die Sachen verwendest. Rühlemanns ist wirklich der umfangreichste Kräutergärtner der mir bislang untergekommen ist.Ich habe noch einen alten Katalog und manchmal liege ich auf dem Sofa blättere drin und träume vom riesigen Kräutergarten den ich anlege. Meine momentanen Lieblingskräuter sind eher wohlbekannte Sachen wie Zitronenverbene, Zitronenmelisse und Brunnenkresse.
AntwortenLöschenIch würd' ja schon für ordentliches Thai-Basilikum über Leichen... und Du servierst hier mal eben mein Kräutergartentraumparadies. MIT Kater.
AntwortenLöschenIch bin dann mal Weinen.
Kommt mir alles so bekannt vor: Erdbeerminze, Shiso, Gewürztagetes...aber bei deinen tollen Bildern kann ich nur sagen:ich will 'nen größeren Balkon! Meiner ist mit knapp einem Drittel deines Bestandes schon übervoll - ok, ich hab auch noch ein paar Tomaten zum Naschen, die nehmen extrem viel Platz weg, vielleicht gibts nächstes Jahr weniger davon.
AntwortenLöschenBin gespannt was du noch schönes aus den Kräutern zauberst...